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Grünes Zentrum: Woanders geht es doch auch!
Donnerstag, 24. Januar 2013

Jahrelang wird im München in Landwirtschafts- und Finanzministerium geprüft, ob in Immenstadt ein Grünes Zentrum gebaut werden kann. Die Voraussetzungen sind alle gegeben. Die Belegung steht auch. Die Stadt hat ein Grundstück angeboten. Pläne sind vorhanden. Trotzdem geht nichts voran. Die Zusage des Finanzministeríums verzögert sich, verzögert sich, verzögert sich.... Woanders geht das viel schneller, wie unser Beispiel zeigt:

Ganz aus Holz und ohne Heizung

Das Grüne Zentrum prescht voran. Der Neubau in Holzkirchen soll Mitte nächsten Jahres bezugsfertig sein. Der Gebäudekomplex bekam jetzt planerisch seinen letzten Schliff, der Holzkirchner Bauausschuss winkte ihn am Donnerstag durch. Dass ganz aus Holz gebaut wird, ist nicht die einzige Besonderheit.

Lange war das Projekt nicht recht in Schwung gekommen. Ende Mai 2010 hatte sich Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) grundsätzlich für Holzkirchen als Sitz des neuen Zentrums ausgesprochen. „Das war ein harter Kampf", erinnert sich Landrat Jakob Kreidl (CSU). Einer seiner Kontrahenten war kein geringerer als Edmund Stoiber, der für den Erhalt der Landwirtschaftsschule in seiner Heimatstadt Wolfratshausen alle Register zog. Auch Bad Tölz hätte sich über einen Zuschlag gefreut.

Als Favorit der (umständlichen, aber unvermeidbaren) europaweiten Ausschreibung galt lange ein Grundstück an der Nordspange. Doch die Verhandlungen mit Grundstücksbesitzer August Inselkammer, Eigentümer des Fertighausherstellers Isartaler Holzhaus, liefen zäh. Im Herbst 2012 zog Inselkammer zurück. „Das kam überraschend", sagt Kreidl.

Es war einer der künftigen Mieter des Grünen Zentrums, der in die Bresche sprang: Der Bayerische Bauernverband (BBV) entdeckte an der Nahtstelle zwischen Wohngebiet (Otto-Mair-Ring) und dem Industriegebiet ein vermeintlich wenig attraktives Grundstück. Doch der Landshuter Planer Hermann Brenner platzierte auf der 1,2 Hektar großen Wiese ein Ensemble, das zu überzeugen wusste. Der BBV als einziger Bieter bekam den Zuschlag, als Investor das Grüne Zentrum zu errichten.

Der Staat (Amt für Landwirtschaft) und der Landkreis (Landwirtschaftsschule) mieten die Räume für mindestens 20 Jahre. „Die Verträge sind unterschrieben", sagt Landrat Kreidl, „Mietbeginn soll im August 2014 sein." In einem zweiten Gebäude mieten sich landwirtschaftliche Dienstleister ein: Der BBV selber, der Waldbauernverband Holzkirchen und der Maschinenring. Komplettiert wird das Ensemble von einem Wohnheim für Studierende.

Allzu günstig dürfte der Bau nicht werden. Zwischen fünf und zehn Millionen Euro wird der BBV wohl investieren müssen, zuzüglich der Grundstückskosten. Alle Häuser entstehen in Holzständerbauweise. Um den Werkstoff nach außen zu dokumentieren, werden die Fassaden verbrettert.

Das Ensemble soll Passivhaus-Standard erreichen. „Bei dieser Größe ganz ohne Heizung auszukommen, das ist ungewöhnlich", sagt Johannes Hütz, Leiter des Landwirtschaftsamts und der Landwirtschaftsschulen. Er freut sich, dass das Projekt Tempo aufgenommen hat. Als Eröffnungstermin sei zuletzt der Dezember 2014 genannt worden, „aber gut möglich, dass es schon im Sommer 2014 losgehen kann". Um Zeit zu sparen, läuft die Aufstellung des Bebauungsplans parallel zum Bauantrag.

Von Andreas Höger, erschienen im Münchner Merkur

ganz_aus_holz_und_ohne_heizung001.jpgDie Holzbauweise wird ein Charakteristikum des Grünen Zentrums werden, wie eine Animation des geplanten Eingangs zeigt. Außerdem soll das Ensemble Passivhaus-Standard erreichen, eine Heizung ist also überflüssig. Von Andreas Höger