| Rainer Hoffmann: "Irgendwie kommen wir miteinander schon klar! |
| Freitag, 6. April 2012 | |
Wer ist eigentlich der neue CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat in Immenstadt? Wer weiß, dass er ein gebürtiger Saarländer ist - und dass er früher eher links orentiert war? Wer mehr wissen will, findet ein Portrait des Knottenrieders unter SHS Foundation. In Langschrift heißt das: "Saarländer helfen Saarländern". Diese Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht: "Die Saarländer und ihre Freunde weltweit vernetzen und menschliche, kulturelle und wirtschaftliche Bande knüpfen"
Saarländer trifft man überall auf der Welt, heißt es. Die SHS Foundation hat Dieter Gräbner, den langjährigen Lokalchef der Saarbrücker Zeitung gebeten aufzuschreiben, wie und wo sie leben. Und Gräbner hat Rainer Hoffmann gefunden. Er schreibt 2010 in einem Aufsatz über ihn:
"Der Dipl. Ing. agr. Rainer Hoffmann, Jahrgang 1962, der in Saarlouis geboren wurde und nach der Grundschule in Fraulautern das Staatliche Knabengymnasium in Saarlouis besucht hat, hat vermutlich nicht mal im Traum daran gedacht, dass er mal in Bayern Leiter einer Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsschule werden würde. Ein saarländischer Preuße auf der Alm?
Rainer Hoffmann und seine Familie, Ehefrau Ulrike und die drei Kinder (sechs, elf und 14 Jahre alt) leben in einem Vorort von Immenstadt im dicksten Allgäu, 990 Meter hoch: "Im Winter ist es sehr kalt und wir haben jede Menge Schnee.“
Ins Allgäu kam er, wie er erzählt, in Etappen. Nach dem Abitur 1981 in Saarlouis, studierte er in Gießen an der Justus Liebig Universität Landwirtschaft, und schloss dann als Diplom-Ingenieur Agr. (Agr. = agrar) ab. Zunächst heuerte er bei dem Tiefkühlkostunternehmen Eismann in Vlotho und später in Mettmann/Westfalen an. Doch anstatt zu untersuchen, ob das tiefgefrorene Gemüse in ordentlichen landwirtschaftlichen Betrieben angebaut worden war, betraute man ihn mit Vertriebsaufgaben. Und zwar nicht nur theoretisch: "Ich habe Kunden geworben, Waren ausgeliefert, selber den Lkw gefahren und 10 Fahrer-Routen gemanaget. Ich lernte das etwas verkaufen auch heißt, sich zu selbst verkaufen.“
1989 setzte er seine Ausbildung mit einem einjährigen Referendariat im so genannten "Höheren landwirtschaftlichen Fachschuldienst“ in Bayern fort - und nach zweijährigem Dienst in Moosburg, Würzburg und Pfarrkirchen in einem Amt für Landwirtschaft mit Landwirtschaftsschule wurde er schließlich dann nach Immenstadt versetzt, wo er nun seit 1997 Schulleiter ist:
"Zur Ausbildung an der Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsschule gehört auch die Meister- und Lehrlingsausbildung und die Beratung der Bauern vor Ort. Im Allgäu kenne ich mich aus.“ Sprachprobleme hat er keine. Er versteht den vielfältigen bayrischen Dialekt gut. Ihm gefällt es in Bayern. Der Kontakt zum Saarland ist stetig und fest. Seine Eltern leben nach wie vor in Saarlouis.
Inzwischen hat er sich politisch typisch bayrisch engagiert. Rainer Hoffmann ist CSU-Mitglied - "obwohl ich früher politisch eher links orientiert war“ - und Mitglied im Stadtrat in Immenstadt und in der CSU-Fraktion der zuständige Experte für die Bildungspolitik: "Da gibt es schon mal Komplikationen mit dem Bürgermeister, der keiner Partei angehört. Dem geht alles manchmal nicht schnell genug. Die Bayern sind eher von der bedächtigen Art. Dann muss man darüber reden. Und irgendwie kommen wir dann schon miteinander klar.“
Saarländer hat er in seiner Wahlheimat Bayern auch schon einige getroffen: "Man erkennt sie am Dialekt.“ Ihn übrigens auch, als er weiter erzählt. "Unn kürzlisch war auch de Becker Heinz da. Da gab es saarländisch platt.“ Mit "de Becker Heins“ meint er natürlich den saarländischen Kabarettisten Gerd Dudenhöfer, der mit seinem Alter Ego, der Figur Heinz Becker, durch die Lande tingelt.
Aber auch sonst begegnet er Saarländern immer und überall wieder: "Ich bin im Elternbeirat im Gymnasium in Immenstadt“, erzählt er. "Da kam ich mit der Mutter eines Schülers zusammen, die aus Völklingen oder Neunkirchen kommt. So genau weiß ich das jetzt nicht mehr.“
Außerdem kennt er noch andere Exil-Saarländer, die im Immenstädter Landwirtschaftsamt und im Rathaus arbeiten: "Und wenn ich mich kümmern würde, würden sich bestimmt noch einige finden lassen. Vielleicht muss man mal überlegen, wie wir die mit Hilfe der SHS Foundation zusammen bringen können. An mir soll es nicht liegen...“
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