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Ein neuer König regierte im kleinen Reich unter den weißen Bergen am blauen Alpen-
see. Die meisten Händler und Bauern, Handwerker und Bürger, Frauen und Männer waren zufrieden damit, dass der neue König ihr Wohl in die Hand nahm. Aber es drohte Ungemach...
...Viele Jahre lebten die Bürger im Wohlstand und waren es gar nicht mehr anders gewöhnt. Die Kinder gingen in Schulen, die Kunst beflissenen Bürger pflegten sich in einem schmucken Theater bei feinsinniger Musik und lustvollen Komödien zu vergnügen und sogar die Nachbarn aus den umliegenden Fürstentümern kamen gerne um sich am blauen Alpensee oder im Badetempel des Königreiches mit den zufriedenen Menschen zu vergnügen. Neidvoll hatten diese Nachbarn oft über die Grenzen geschaut und sich gewünscht, dass es ihnen ebenso ginge.
Aber großes Leid kam plötzlich von weit her über das kleine Königreich. Niemand merkte, dass sich schon lange hinter den sieben Bergen des Naturparks schwere Wetter zusammengebraut hatten und Unheil über das friedliche Reich bringen sollten.
Plötzlich war eine lange nicht mehr gekannte Not ausgebrochen. Der Handwerker bekam keine Aufträge mehr, der Bäcker verkaufte weniger Brot, der Händler blieb auf seinen bunten Kleidern sitzen. Die Bauern verkauften noch weniger Milch und Käse wie schon zuvor und nicht einmal die raffgierigen Geldverleiher machten mehr Geschäfte. Die Geldsäckel der Bürger blieben leer und in der Schatzkammer des Königreiches war so viel Platz, dass die Mäuse dort tanzen hätten können, wären sie nicht vor Hunger schon zu schwach dazu gewesen.
Da traf zu allen anderen Sorgen auch noch die Nachricht ein, dass die vielen Schulen, Kindergärten und Versammlungsgebäude im Reich in bedauernswertem Zustand seien. Der König suchte den Rat eines Mannes, der vielen schon geholfen hatte und dessen Freundeskreis nie hatte Not leiden müssen. Er ging zum Kaiser, der schon viele Jahre nebenan aus eigener Kraft erfolgreich regierte. Die junge König wusste wohl, dass er nicht zum Freundeskreis des Kaisers gehörte. Trotzdem war der Empfang wohlwollend. Allerdings führte der Kaiser den König sogleich in seine Schatzkammer, wo sich gerade noch ein winziger Sack mit ein paar schäbigen Talern in der Ecke verlor. Und der Kaiser verkündete dem König: „Mit Talern kann ich dir, wie du siehst, nicht helfen. So will ich dir etwas wertvolleres schenken. Du bekommst von mir Zeit geschenkt. Zeit dein Tanztheater und deinem Schulen zu erneuern. Aber nutze diese Zeit, sonst muss ich kommen bald kommen und dir sogar deine Kindergärten zusperren.“
In dieser Notlage rief der König nach den Weisen in seinem Rat. Sie hatten sich in vielen Berufen Kenntnisse erworben. Er bat sie voller Hoffnung, ihm zu sagen, was er jetzt tun solle.
Aber die Gelehrten redeten wirr durcheinander. Ja, manche stritten sogar lauthals miteinander, wer nun Recht habe, und wer nicht. Andere, vor allem die Jüngeren, meldeten sich andauernd Finger schnalzend zu Wort, verstanden aber gar nicht, worüber sie eigentlich sprechen sollten.
Ein weitgereister Welt erfahrener Berater mit wallendem Bart, der meist mit dem Gesetzbuch im Gewande herumlief, bedeutete dem König, dass er sich nur an die Verordnungen halten müsse, dann würde alles gut. Sprachs und ging von dannen – für lange Beratungen habe er nämlich keine Zeit, die Glocke habe zehn geschlagen und er müsse zuhause noch arbeiten.
Ähnliches verkündete des Königs Berater in heilkundlichen Fragen. Beginnend mit einer typischen kleinen Sprechpause zum Beginn: „...wenn es so schlimm ist, wie beschrieben, dann ist mein Platz doch eher bei meinen Lieben zuhause, die erwarten mich schon und die bedürfen meines Trostes“
Da freute sich der König, als sein medizinischer Berater freiwillig das Wort ergriff: „Das kann doch alles nicht sein. Wir wollen doch weiter im Theater tanzen und uns im Freibade erholen können. Wenn die Schatzkammer leer ist, dann leihen wir uns doch einfach die notwendigen Taler – bevor es alle anderen machen!“. Der König dachte an seinen erfolglosen Besuch beim Kaiser und war enttäuscht über die Worte seines ältesten Ratgebers im Weisenrat.
Da suchte des Königs Blick seinen Fachmann für Wirtschaftsfragen, doch der hatte geahnt, dass er jetzt seine Meinung sagen müsse und hatte deshalb seinen Platz im Rat kurzfristig verlassen. Für den König war das nicht weiter schlimm, denn für gewöhnlich kam selten guter Rat aus dessen Mund.
Der Berater für Rechtsfragen und der Weise für Verkehrsfragen hielten sich diesmal zurück – fast mochte man glauben, diese beiden Weisen seien froh darüber, dass andere aus ihren Reihen sich gerne reden hörten.
Da blickte der König in die Reihen der ihm wohl gesonnenen Berater – wissend, dass sie zu wenig waren, das Königreich mit ihm aus der Krise zu lotsen. Der Berater für Religionsfragen wünschte Einsicht und Erkenntnis käme über die Menschen, die im Reiche zu sagen haben. Der Weise für Kraft und Energie beschwor Sonne, Wasser und Wind – doch der Funke sprang nicht auf die Uneinsichtigen und Vielschwätzer über. Selbst der bäuerliche Weise im Rat, als einer der am meisten von der Not gebeutelt, konnte dem König nicht mehr helfen als ihm die Bereitschaft zu erklären, mit ihm die kommende schwere Zeit zu ertragen.
Da sah der König traurig über die Reihen seiner Berater hinweg und entdeckte viele Bürger seines Reiches, die sich in der Hoffnung versammelt hatten, gestärkt mit dem Rat der Weisen nach Hause gehen zu können. Kopfschütteln und Unverständnis erkannte der König bei seinen Untertanen. Sie hatten gesehen, dass es nicht am Können der Weisen im Rat lag, sondern dass der Mehrheit der Wille fehlte, die Not zu bekämpfen.
Und einige aus der Menge ergriffen das Wort und sprachen dem König Mut zu. Schließlich habe das Volk sein Schicksal in seine Hände gelegt. Auch die, die anfangs noch über die Possen einiger im Rat der Weisen gelacht hatten, wurden jetzt ärgerlich: „König, schicke die Verstockten und Schwätzer unter deinen Ratgebern nach Hause. Wir stehen zu dir in der Not. Wir sind bereit, auf liebgewonnene Dinge zu verzichten, bis die Not vorbei ist!“
Da hellte sich die Miene des Königs wieder auf und er sprach: „Das ist mir quasi das Wertvollste, was ich bekommen kann. Wir machen einen Masterplan! Lass uns unverzüglich ans Werk gehen, Punkt!“
...Und wenn sie nicht gestorben sind, hat es vielleicht Neuwahlen gegeben und einige verstockte Weise im Rat wurden ausgewechselt...
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