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Hat Immenstadt Grund zum Feiern?
Dienstag, 17. November 2009

650 Jahre alt wird Immenstadt im Jahre 2010. Sicherlich feiern im kommenden Jahr andere Gemeinden und Städte rundere Jubiläen und sind oft auch deutlich älter. 650 Jahre - Ein Grund zum Feiern? Dazu darf man sich bestimmt Gedanken machen - ein Kommentar von Peter Elgaß.

 

Da ist in der Nachbarschaft die Gemeinde Fischen – sie blickt 2010 auf eine Geschichte von mindestens 1150 Jahre zurück. Sind also 650 Jahre ein so runder Geburtstag, dass man sich in Jubelfeiern ergehen darf? Immenstadt hat die 600 Jahre würdig begangen, und auch die 625 Jahr-Feier ist manchem noch im guter Erinnerung. Also sollte man nicht einfach einen weitere "25 Jahre Schritt" vergessen.

Aber auch den letzten Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ist die Haushaltssituation der Stadt inzwischen klar geworden. Bürgermeister Armin Schaupp greift inzwischen bei den Stadtteil-Bürgerversammlungen zu einem drastischen Bild: Die Stadt Immenstadt ist ein Lastwagen, der bald vor die Wand fahren wird. Die Frage ist nur wann, und mit welchem Tempo. „Wir können unsere Pflichtaufgaben nicht mehr erledigen, ohne massiv neue Schulden zu machen!“ erklärt er.

Können wir uns unter diesem Voraussetzungen eine strahlende Jubelfeier leisten?
Siegbert Eckel vom Stadtarchiv beschwerte sich lautstark bei der Bücherschau im Literaturhaus „Groß ist mein Entsetzen über die Unwissenheit und die Gleichgültigkeit mit denen das herannahende 650 Jahre-Jubiläum im kommenden Jahr im Stadtrat abgehandelt wurde.“ Die Stadt habe es bisher nicht geschafft, sich mit dem Stadtarchiv in Verbindung zu setzen, beschwert er sich weiter.

Tatsache ist, dass der Stadtrat nach einer ordentlichen Diskussion einen namhaften Betrag für das Jubiläum zur Verfügung gestellt hat. Weiter hat die Stadt einen Festausschuss initiiert und mit der Leitung eine städtische Angestellte beauftragt. Tatsache ist, dass beides mehr Geld kostet, als die SPD-Fraktion eigentlich für das Jubiläum zur Verfügung stellen wollte – da aber der Wunsch recht groß war, dass die Stadt sich nicht „Lumpen lassen“ solle, haben wir schweren Herzens zugestimmt, rund 30.000 Euro und kostbare Arbeitsleistung als Anteil der Stadt einzubringen. 

Jetzt liegt es am Festausschuss, eine würdige Feier auf die Beine zu stellen. Wo steht geschrieben, dass eine Jubelfeier mit Genehmigung des Stadtrates aus dem Stadtsäckel bezahlt werden muss? Feuerwerksraketen auf Pump? Ich meine, wir müssen unsere Ansprüche zurückfahren. Eine ganze Reihe von Vereinen und Verbänden – unter anderem auch die SPD Immenstadt, die 2010 100 Jahre alt wird – haben Grund zum Feiern. Aber im Rahmen der Möglichkeiten. Kreativität ist gefragt, nicht Pulver von der Stadt zu verfeuern.

Es steht uns gut an, die Feierlichkeiten nicht nur selbst zu organisieren sondern auch zu finanzieren. Meiner Meinung nach geht es nicht darum auf Kosten der Allgemeinheit beim Festzug am Straßenrand zu stehen und den Akteuren bei Freibier und öffentlich bezahlter Bockwurst, Fähnchen schwingend zuzusehen, sondern sich selbst einzubringen in ein bescheidenes, aber inhaltvolles 650-Jahre-Jubiläum. Nicht die Menge der Euro, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, machen ein solches Fest aus, sondern die Kraft und der Wille der Bürger, die das feiern wollen.

Wer fordert, dass die Stadt das Zirkuszelt, das Programm, Speis und Trank und dazu noch die Akteure finanzieren soll, der hat die Zeichen der Zeit wirklich noch nicht erkannt. Es ist nicht angebracht, 2010 die Feierlichkeiten von 1960 und 1985 finanziell zu toppen. Wir sollten bescheiden versuchen, das fehlende Geld durch Ideen und Eigenleistung zu ersetzen. Nicht alles, was Geld kostet, ist auch gut...

Ein Kommentar von Peter Elgaß,SPD-Stadtrat